Interview

„Für gute Marktforscher wird es bei Ipsos immer einen Platz geben“

02.11.2011.  Mitte Oktober war bekannt geworden, dass die Ipsos-Gruppe das Marktforschungsunternehmen Synovate gekauft hat. Rund 600 Millionen Euro hat Ipsos dabei an das Agenturnetzwerk für Kommunikations- und Mediaberatung Aegis überwiesen, das schon seit einiger Zeit nach einem Käufer suchte. Ipsos gehört nun zu den Top-3 der Marktforscher weltweit. absatzwirtschaft sprach mit dem alten und neuen CEO von Ipsos Deutschland, Ralf Ganzenmüller, über die Auswirkungen des Deals.

Was war die Idee des Kaufs von Synovate?

RALF GANZENMÜLLER: Die Akquisition von Synovate wurde von unserem Headquarter in Paris initiiert. Aus meiner Sicht kann ich dazu sagen, dass die Konsolidierung der Branche ja erstmal nichts Neues ist. Man kann auf diese Weise seine Schwächen beseitigen, indem man einen Wettbewerber kauft, der in einigen Dingen stärker als man selbst ist. Zudem kauft Ipsos Größe und Präsenz. Wir sind nun zum Beispiel in den Niederlanden, in Belgien und in Skandinavien vertreten. Wir schließen Lücken, wo wir bisher noch nicht so gut unterwegs waren. So sind wir zwar gut in Asien, aber Synovate ist noch besser. Zudem gewinnen wir weltweit 6 000 neue „Talents“, wie man im Englischen sagt.
Es kommen im Übrigen auch einige Tools dazu, die wirklich weltspitze sind wie Censydiam, ein morphologisches Tool für quantitative und qualitative Marktforschung, oder Marketquest, eines der größten Produkttesting-Tools weltweit, das millionenschweren Umsatz garantiert.

Wird sich das auch auf die Forschung und Entwicklung auswirken?

GANZENMÜLLER: Ja klar, durch die Economics of Scale können wir uns in Sachen Forschung und Entwicklung mehr leisten. Das ist gerade jetzt wichtig, wo sich die Welt rasend schnell verändert, insbesondere in der Marktforschung. Die Geschwindigkeit der Entwicklung akzeleriert und das hat nur mit Technik zu tun, weil sich die Rechnerleistung alle paar Monate verdoppelt. Das eröffnet Möglichkeiten, die zuvor nicht da waren und darauf muss man reagieren. Die daraus resultierenden Entwicklungskosten lohnen sich für ein Unternehmen mit 16 000 Mitarbeitern logischerweise eher als mit 10 000 Mitarbeitern.

Thema Mitarbeiter: Wird es Freisetzungen geben?

GANZENMÜLLER: Didier Truchot, Co-President von Ipsos, hat wortwörtlich in einer Telefonkonferenz gesagt, dass man ihn beim Wort nehmen kann, dass nicht Kosten gespart und Marktforscher freigesetzt werden sollen. Wir sehen uns selbst als Home of Researchers und für gute Marktforscher wird es bei Ipsos immer einen Platz geben. Freisetzungen wären auch absurd, weil man nicht nur Tools kauft, sondern vor allen Dingen Köpfe. Sie machen letztlich den Unternehmenswert aus. Wir würden bei Freisetzungen also Werte und Eigenkapital vernichten. Es heißt aber im Umkehrschluss auch: für Mitarbeiter, die nicht Researcher sind, sondern reine Manager – so etwas soll es in unserer Branche ja auch geben – oder die in Funktional- und Supportbereichen arbeiten, wird es sicher Konsolidierungseffekte geben. Dass man deswegen betriebsbedingt kündigen muss, glaube ich ehrlich gesagt nicht. Es wird eher über natürliche Fluktuation geschehen. Aber eines ist auch klar: Wir haben viel Geld für den Kauf ausgegeben, um noch mehr Geld zu verdienen. Das wird sich dann hoffentlich auch im Aktienkurs niederschlagen.

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