Absatzzahlen

Werksschließung in Bochum: Proteststurm der Opel-Käufer legt sich

Foto: GM Company
Foto: GM Company
20.11.2014.  Die Schließung des Opel-Werkes in Bochum hat sich nur kurzfristig negativ auf die Verkaufszahlen von Neuwagen dieser Marke in der Region ausgewirkt, stellt Automobilexperte Prof. Dr. Ferdinand Dudenhöffer fest. Wird der Effekt einer Stilllegung eines Produktionsstandortes auf die Absatzzahlen also regelmäßig überschätzt?

Von Ferdinand Dudenhöffer

Im Dezember wird endgültig der letzte Opel in Bochum gebaut. Übrig bleiben ein Warenverteilzentrum, das rund 700 Mitarbeiter beschäftigt, und die Neuausrichtung der Stadt auf die Zeit nach Opel. Lange wurde öffentlich um die Fahrzeugproduktion in Bochum gekämpft und gestritten, allerdings erfolgslos. Der Höhepunkt im Kampf um das Opel-Werk Bochum war im Frühjahr 2013. Den Opel-Mitarbeitern wurde damals so viel Sympathie entgegen gebracht, dass auch die Verkäufe von Opel-Neuwagen im Ruhrgebiet einen neuen Tiefpunkt erreichten.

In den ersten drei Monaten des letzten Jahres erreichte Opel im Ruhrgebiet (Zulassungskreise Bochum, Bottrop, Dortmund, Duisburg, Ennepe-Ruhr, Essen, Gelsenkirchen, Herne, Mülheim, Oberhausen, Recklinghausen) einen Marktanteil von 10,2 Prozent. Klammert man Bochum aus, wo viele Opel Werkswagen in der Zulassung sind, sackte der Opel-Marktanteil an der Ruhr ohne Bochum in den ersten drei Monaten des letzten Jahres auf einen Tiefstwert von 6,5 Prozent ab. Dies war der schlechteste Opel-Marktanteil an der Ruhr (ohne Bochum) seit dem Produktionsbeginn von Opel in den 60er Jahren. Opel hatte mit den harten Arbeitskampf viel Sympathie verspielt – auch bei Neuwagenkäufern. Gewinner war unter anderem Volkwagen.

Opel-Marktanteil erholt sich


Trotz der negativen Schlagzeilen im Jahr 2013 hat sich die Marke Opel an der Ruhr wieder erholt. Der Marktanteil stieg im gesamten Bundesgebiet von sieben Prozent im Jahr 2013 auf mittlerweile 7,3 Prozent. An der Ruhr erhöhte sich der Marktanteil von Opel von 10,1 Prozent im Jahr 2013 auf 10,6 Prozent in den ersten neun Monaten des Jahres 2014.

Im Ruhrgebiet ohne Bochum hat sich Opel noch besser erholt. Erstmals war der Opel-Marktanteil im Ruhrgebiet in den ersten drei Monaten des letzten Jahres mit 6,5 Prozent unter den Bundes-Marktanteil gefallen. Mittlerweile liegt er an der Ruhr (ohne Bochum) mit acht Prozent in den ersten neun Monaten des Jahres wieder über dem Bundes-Marktanteil von 7,3 Prozent.

Nach wie vor ist Bochum aufgrund von Opel-Werkszulassungen die einzige Stadt im Ruhrgebiet, in welcher die Marke Marktführer ist. Das wird sich mit großer Wahrscheinlichkeit in den nächsten Jahren verändern. Auch in Bochum wird VW Marktführer werden, wenn die Zulassungen des Werkes und der Mitarbeiter wegfallen.

Die Opel-Städte mit den höchsten Marktanteilen an der Ruhr sind Bochum (23 Prozent), Gelsenkirchen (11,7 Prozent) und Recklinghausen (11,6 Prozent). In allen anderen Zulassungsbezirken liegt Opel unter der Zehn-Prozent-Grenze. Die Stärke von VW an der Ruhr erkennt man an fünf von elf Bezirken mit Marktanteilen von 20 Prozent und mehr. In den beiden großen Zulassungsbezirken Essen und Dortmund hat VW einen nicht einholbaren Vorsprung vor Opel.

VW baut an der Ruhr Marktanteil aus


Die extremen negativen Schlagezeilen um die Werkschließung haben im letzten Jahr den Opel-Verkäufern im Ruhrgebiet zu schaffen gemacht. Es macht sich wieder eine gewisse „Normalität“ breit. Berichterstattungen zu Opel-Bochum werden außerhalb Bochums weniger stark wahrgenommen. Opel kann sich im Ruhrgebiet von seiner schwierigen Ausgangslage langsam wieder erholen.

Quelle der Grafik: CAR-Center Automotive Research, Universität Duisburg-Essen

Die gute Nachricht für Opel und die Opel-Händler lautet: Das Verkaufstal durch die negativen Nachrichten zur Werkschließung scheint durchschritten. Zu alter Stärke wird man es aber nicht mehr schaffen. Ab 2015 sinken die Opel Zulassungen in Bochum, denn Werksverkäufe finden dann kaum mehr statt. Gleichzeit baut die VW-Gruppe mit großen Händlergruppen wie Tiemeyer und Gottfried Schulz ihre Marktposition weiter aus.

Über den Autor:
Prof. Dr. Ferdinand Dudenhöffer ist Direktor des CAR-Center Automotive Research an der Universität Duisburg-Essen sowie Inhaber des Lehrstuhls für Allgemeine Betriebswirtschaftslehre und Automobilwirtschaft an der Universität Duisburg-Essen.

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