Absatzwirtschaft Nr. 06 Sonderausgabe Marken-Award vom 21.05.2019 Seite 012

Check-in

Drei Fragen an Dominik Schmidt

Die umstrittene EU-Urheberrechtsreform ist endgültig beschlossen.
Nun bleiben den Mitgliedsstaaten zwei Jahre Zeit, um die Richtlinie in nationale Gesetze zu gießen - auch Marketer dürfen gespannt sein.
Dominik Schmidt ist Rechtsanwalt bei der Kanzlei Schürmann Rosenthal Dreyer in Berlin und beschäftigt sich insbesondere mit Digitalem Recht

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Wie wird sich die EU-Urheberrechtsreform auf das Marketing auswirken?

DOMINIK SCHMIDT: Grundsätzlich dürften die Auswirkungen eher überschaubar sein, solange wir nicht über Plattformbetreiber sprechen.
Die meisten Handelsunternehmen dürften durch "Upload-Filter" & Co primär zunächst eher wenig von den in einigen Medien - leider oft falsch - dargestellten "Einschränkungen" tangiert sein.
Trotzdem - und ich sage das ungern und nicht nur, weil es so typisch anwaltlich klingt - muss man abwarten, wie Plattformen reagieren und etwaige Pflichten auf die Handelsunternehmen zum Beispiel als Facebook-Fanpage-Betreiber "überstülpen".

Was sind typische Fehler, die Marketern in Sachen Urheberrecht unterlaufen?

Typische Fehler sind tatsächlich immer noch die Klassiker fehlender Content-Lizenzierung: Immer noch werden häufig Bilder, Grafiken oder Ähnliches werblich eingebunden oder bearbeitet, die vorab nicht lizenziert werden.
Das passiert immer wieder und ist natürlich deshalb riskant, weil grundsätzlich immer die jeweiligen Rechteinhaber - zum Beispiel Fotografen, Bildagenturen - gefragt werden müssen und der Verwender die Erlaubnis für jede konkrete Nutzung jederzeit nachweisen können muss.

Welche Risiken birgt die Nutzung der Social-Media-Kanäle?

Gefahren bestehen neben denen der klassischen Content-Lizenzierungsfehler vor allem im Wording gegenüber Followern.
Denn gerade das schlägt in Social Media oft in virale Empörungswellen um.
Vor wenigen Tagen konnte das gut beim digitalen Spießrutenlauf der Journalistin Anja Rützel beobachtet werden, die Enissa Amanis Performance beim About You-Award in einem Artikel beschrieben hat und dafür massiv "geshitstormt" wurde.
Dessen müssen sich Unternehmen bewusst sein, aber es gibt auch positive, schöne Use Cases, zum Beispiel konnte True Fruits die digitale, völlig abwegige Empörung wegen eines vermeintlich rassistischen Werbeplakats sehr gut "umdrehen" und mittelbar werblich nutzen.


Descriptoren:Community
Informationstechnik
Internet
Internet-Portal
Interview
Kriminalität und Recht
Urheberrecht

Land:Bundesrepublik Deutschland C4EUGE

Länderfacette:Informationstechnik
Kriminalität und Recht

Datum:21.05.2019 00:00:00


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