Schaut dem Volk aufs Maul

06.06.2007.  Mark Twain war kein großer Freund der deutschen Sprache. Für ihn war die Ewigkeit eine gute Gelegenheit für den durchschnittlich Begabten Deutsch zu lernen … Dog ist „der Hund“, Woman ist „die Frau“ und Horse ist „das Pferd“ erklärt Twain seinen Landsleuten. Jetzt setze den Hund in den Genitiv, und ist er der gleiche Hund wie zuvor?

No, Sir, er ist „des Hundes“. Bringe ihn in den Dativ und was ist er? Warum ist er “dem Hunde“? Und wie ergeht es ihm im Akkusativ? Warum ist er nun „den Hund“? Stellen Sie sich vor, der Hund wäre ein Zwilling und Sie müssten ihn in die Mehrzahl bringen – was dann? Ich mag Hunde nicht besonders, resümiert Twain, aber ich würde einen Hund niemals so behandeln. Ein englischsprachiger Leser wird wahrscheinlich froh sein eine einfachere Sprache zu sprechen, und ein deutschsprachiger Leser weiß vermutlich nicht so recht was er darauf sagen soll.

Jeder Sprache liegen eine Reihe von Annahmen und Mutmaßungen zu Grunde, die, tief eingebettet in der Grammatik, unsere Wahrnehmungen, unsere Standpunkte und unsere Überzeugungen unbewusst beeinflussen.

Was sind die Grundannahmen der deutschen Sprache?
Auf der Suche nach den Grundannahmen der deutschen Sprache – einschließlich aller indogermanischen Sprachen wie Latein, Französisch, Spanisch oder Englisch - trifft man unweigerlich auf keinen geringeren als Aristoteles selbst, den Vater der Logik.

Aristoteles Problem vor gut 2.300 Jahren war, dass die logische Verknüpfung von „Alle Einhörner sind Pferde“ und „Alle Einhörner haben Hörner“ unweigerlich zu der falschen Schlussfolgerung „Einige Pferde haben Hörner“ führte. Aus diesem misslichen Dilemma rettete sich Aristoteles mit der Einführung von Kategorien und fortan waren Biologie und Poesie miteinander unvereinbar und das Problem gelöst.

Aristoteles Philosophie und Kategorisierung fordert, dass Erfahrungen in Dinge, Handlungen, Eigenschaften der Dinge und die Umstände der Handlungen zerlegt werden müssen, also in Hauptwörter, Tunwörter, Eigenschaftswörter und Umstandswörter. Hinter dieser Denkart steht die Annahme, dass das Wesen einer Sache – ihre Essenz – als Summe aller ihrer Eigenschaften begriffen werden kann und dass daraus neue Erkenntnisse, Ideen und schließlich Fortschritt folgt. Essentialismus ist daher, ob wir wollen oder nicht, untrennbar in die deutsche Sprache eingebaut.

Weiter zu Seite 2 von 3 Alles zeigen
jetzt twittern auf Facebook teilen

Es liegen noch keine Lesermeinungen vor

Kommentar abgeben


 

Bitte geben Sie den Code aus dem Bild in das nebenstehende Feld ein:


*  diese Felder müssen ausgefüllt werden.

Kommentare werden erst veröffentlicht, wenn Sie Ihre E-Mail-Adresse erfolgreich bestätigt haben. Bitte melden Sie sich daher an, oder klicken Sie auf den an Ihre Mail-Adresse gesendeten Bestätigungs-Link, wenn Sie als nicht angemeldeter Nutzer einen Kommentar schreiben.


SERVICES & SHOP

Kolumnen-Autoren

David Aaker - Der Markenguru

  • Er hat das Markenwertmodell "Aaker Model" erfunden und über 100 Artikel und 15 Bücher veröffentlicht. Als Vice Chairman berät David Aaker zudem exklusiv die Kunden der Agentur Prophet.

Michael Brandtner

  • Brandtner ist Spezialist für strategische Marken- und Unternehmenspositionierung, außerdem Associate bei Ries & Ries sowie Autor des Buches "Brandtner on Branding". Sein Blog: www.brandtneronbranding.com

Vince Ebert - Der Physiker und Kabarettist

  • Vince Ebert ist Physiker und Kabarettist und mit seinem Bühnenprogramm "Freiheit ist alles" deutschlandweit auf Tournee. Er ist zudem Kolumnist der absatzwirtschaft. Tourdaten unter www.vince-ebert.de.

Jürgen Gietl

  • Jürgen Gietl, Managing Partner bei Brand Trust, ist Spezialist für Technologiemarken, B2B-Markenführung und Markenarchitektur. Er begleitet Konzerne und mittelständische Unternehmen bei Entwicklung und Umsetzung von Markenstrategien. Er ist Autor des Buches VALUE BRANDING. Brand Trust

Jürgen Häusler

  • Jürgen Häusler ist Chairman von Interbrand Central and Eastern Europe. Der Markenexperte betreut renommierte Unternehmen in der strategischen Markenführung. Er ist Honorarprofessor für Strategische Unternehmenskommunikation an der Universität Leipzig, publiziert laufend zum Thema Marke und hält Vorträge an Universitäten, auf Kongressen und Tagungen.

Malte W. Wilkes

  • Malte W. Wilkes ist Seniorpartner der Management Consultancy Erfolgsketten Management Wilkes Stange GbR, Redner, Moderator, Diskutant, Buchautor, Pionierexperte in Customer Centricity und Ehrenpräsident des BDU Bundesverband Deutscher Unternehmensberater.