Leistungsträger müssen mit ganzem Herzen dabei sein

07.12.2005.  Es geht um die deutsche Wirtschaft. Da werden wir Sportler auch schon einmal zitiert. Wir sind doch das beste Beispiel für Höchstleistungen. Gerade jetzt, wo alle über die Ergebnisse der Wirtschaft jammern, sind wohl einige Tipps willkommen. Erfahrungen mit den Wirtschaftsvertretern sind leicht zu sammeln. Bestes Feld dafür sind Reisen mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Hier treffe ich unsere Macher. Schnell erfahre ich, um was es geht. Für Mobiltelefone gibt es keine Grenzen.

Irgendwie werde ich bei diesen Typen mit den weichen weißen Händen das Gefühl nicht los, dass sie mir bekannt sind. Solche Sportler standen immer mit mir an der Startlinie. Starker Auftritt, vor Selbstbewusstsein strotzend, die buntesten Rennanzüge. Sie waren es, die im Ziel immer die besten Gründe hatten, warum es nicht so lief, wie sie es sich vorgestellt hatten. Da waren der ungünstige Gegenwind auf der ersten Teilstrecke, die große Hitze, der Regen, die lange Reise, der starke Gegner oder einfach unerklärliche Gründe.

Im antiken Griechenland wurde nackt Sport getrieben. Das war wohl praktischer, aber es hatte auch einen tieferen Sinn: Gerade beim Sport sollte jeder zeigen, wie ernst er es mit seinem Körper und Geist meinte, wie stark sein Wille war. Fettpölsterchen, Bauchansatz oder ein gebeugter Rücken waren nicht zu kaschieren. Ein kurzer Blick genügte, und man wusste, wen man vor sich hatte. Solche Methoden der Persönlichkeitsbeurteilung sind ja heute nicht mehr gängig, doch führt es im gewissen Sinn dorthin, was wir Sportler so lieben: die möglichst objektive Beurteilung unserer Leistungsfähigkeit. Ist die gelaufene Zeit schlecht, dann ist man auch schlecht gelaufen. Es ist doch ganz einfach. Wenn der Startschuss fällt, muss jeder zeigen was er kann. Jede Hürde, die im Weg steht, muss übersprungen werden. Zögern bringt schon die Niederlage. Gegenwind? Kreativität für eine andere Renngestaltung ist die Lösung, manchmal auch pure Kraft. Dafür muss man natürlich trainiert haben. Doping bringt da nicht viel. Solche unehrlichen Methoden haben sich noch nie ausgezahlt.

Und wenn wir doch verlieren? Es ist doch das Wesen des Sports, dass wir Niederlagen einstecken müssen. Beenden wir deshalb unsere Laufbahn, scheuen wir das Risiko und treten gar nicht mehr an, oder wandern wir in konkurrenzarme Gegenden ab? Nein, wir analysieren unseren Misserfolg, planen neu, trainieren hart und versuchen es wieder gegen härteste Widersacher. „Für diesen Leistungssport muss man sich aber schrecklich quälen“, höre ich immer wieder. Dabei ist es für uns Abenteuer und Spaß. Quälten wir uns, hätten wir es schon längst aufgegeben.

Und die deutsche Wirtschaft? Die Leistungsträger müssen nur mit ganzem Herzen dabei sein und keine Kreativität und kein Risiko scheuen. Und das Handy etwas leiser stellen.

Dr. Harald Schmid ist Inhaber der pr400 - Agentur für Sport und Kommunikation, Hasselroth.

7. Dezember 2005

jetzt twittern auf Facebook teilen

Es liegen noch keine Lesermeinungen vor

Kommentar abgeben


 

Bitte geben Sie den Code aus dem Bild in das nebenstehende Feld ein:


*  diese Felder müssen ausgefüllt werden.

Kommentare werden erst veröffentlicht, wenn Sie Ihre E-Mail-Adresse erfolgreich bestätigt haben. Bitte melden Sie sich daher an, oder klicken Sie auf den an Ihre Mail-Adresse gesendeten Bestätigungs-Link, wenn Sie als nicht angemeldeter Nutzer einen Kommentar schreiben.


SERVICES & SHOP

Kolumnen-Autoren

David Aaker - Der Markenguru

  • Er hat das Markenwertmodell "Aaker Model" erfunden und über 100 Artikel und 15 Bücher veröffentlicht. Als Vice Chairman berät David Aaker zudem exklusiv die Kunden der Agentur Prophet.

Michael Brandtner

  • Brandtner ist Spezialist für strategische Marken- und Unternehmenspositionierung, außerdem Associate bei Ries & Ries sowie Autor des Buches "Brandtner on Branding". Sein Blog: www.brandtneronbranding.com

Vince Ebert - Der Physiker und Kabarettist

  • Vince Ebert ist Physiker und Kabarettist und mit seinem Bühnenprogramm "Freiheit ist alles" deutschlandweit auf Tournee. Er ist zudem Kolumnist der absatzwirtschaft. Tourdaten unter www.vince-ebert.de.

Jürgen Gietl

  • Jürgen Gietl, Managing Partner bei Brand Trust, ist Spezialist für Technologiemarken, B2B-Markenführung und Markenarchitektur. Er begleitet Konzerne und mittelständische Unternehmen bei Entwicklung und Umsetzung von Markenstrategien. Er ist Autor des Buches VALUE BRANDING. Brand Trust

Jürgen Häusler

  • Jürgen Häusler ist Chairman von Interbrand Central and Eastern Europe. Der Markenexperte betreut renommierte Unternehmen in der strategischen Markenführung. Er ist Honorarprofessor für Strategische Unternehmenskommunikation an der Universität Leipzig, publiziert laufend zum Thema Marke und hält Vorträge an Universitäten, auf Kongressen und Tagungen.

Malte W. Wilkes

  • Malte W. Wilkes ist Seniorpartner der Management Consultancy Erfolgsketten Management Wilkes Stange GbR, Redner, Moderator, Diskutant, Buchautor, Pionierexperte in Customer Centricity und Ehrenpräsident des BDU Bundesverband Deutscher Unternehmensberater.