Die Autobauer und ihr Problem, bei Frauen zu landen – Schafft die IAA die Trendumkehr?

13.09.2013.  Würden sich auf der IAA die Neuwagenkäufer in Deutschland treffen, wäre es eine Veranstaltung für ältere Männer. 50,7 Prozent aller Neuwagenkäufer waren in den ersten sieben Monaten dieses Jahres Männer über 45 Jahre, obgleich diese Gruppe nur 23,6 Prozent der Gesamtbevölkerung Deutschlands darstellt. Es sieht danach aus, als würden die Autobauer die Mitte der Gesellschaft verlieren.

Dies ergibt sich aus der Auswertung aller Neuzulassungsdaten in Deutschland. Nur 26,9 Prozent aller Neuwagenkäufer sind derzeit unter 45 Jahre alt. Dabei stellt diese Bevölkerungsgruppe 50 Prozent der Gesamtbevölkerung.

Seit 1995 ist der Anteil der „Unter 45- jährigen“ um knapp 45 Prozent eingebrochen. Die Tendenz ist weiter fallend, da die Autobauer kein Konzept zu haben scheinen, um die Mitte der Gesellschaft wieder stärker als Kunden zu gewinnen.

Wer mobil sein will, ist mit Facebook schneller als mit dem Auto


Schaut man sich die Produktneuerungen der IAA an, kann man davon ausgehen, dass die Messe wohl kaum dazu beitragen wird, diesen Trend zu stoppen. Junge Menschen sind in virtuellen Welten unterwegs, von Kindesbeinen an. Emotionen sind in virtuellen Welten zum Teil deutlicher ausgeprägt als in designtem Stahl oder Blech mit mehr PS. Wer mobil sein will, ist mit Internetapplikationen und Facebook schneller bei Freunden und in sozialen Kontakten als mit dem Auto. Wer Emotionen in der realen Welt sucht, wird mit immer mehr Trendsportarten und Großveranstaltungen verwöhnt. Produkte, wie Fahrräder oder Bikes, sind zum In-Thema geworden. Tabletts verbreiten größere Aha-Effekte als perfekt gestylte Auto-Innenräume, die versuchen, lediglich durch integrierte Tabletts den Bedeutungsverlust wieder gut zu machen. Gesprochen wird weniger über die PS-Zahl beim Auto, sondern die Technik von neuen Bikes.

Bisher haben die Autobauer, so scheint es, kein Konzept gefunden, um diesen Trend zu stoppen. Ansätze wie die neuen stationslosen Car-Sharing-Systeme á la Car2Go oder Drive-Now sind sicherlich Denkansätze. Allerdings bleibt das bei der IAA eher Nebensache.

Von Männern getriebene Branche


Der Frauenanteil unter den Neuwagenkäufern stagniert seit 12 Jahren. Obwohl 51 Prozent der Bevölkerung Deutschlands Frauen sind, gehen nur 33,5 Prozent der privaten Neuwagenkäufe an Frauen. Frauen und Jüngere sind als Kunden deutlich unterrepräsentiert.

Die Autobranche ist eine Branche, die von Männern getrieben wird. Bei keinem Autobauer der Welt gibt es eine Frau als Vorstandsvorsitzende oder Sprecherin der Geschäftsführung. Erst auf Markenebene liefert Smart ein Beispiel hierfür. So ist Mercedes Car Group, zu der auch Smart zählt, eine reine Männergesellschaft. Und das trotz der Geschäftsführerin von Smart, die eben kein Mitglied im Bereichsvorstand ist.

Keine Frauen im Top-Management


In den sechs europäischen Autokonzernen BMW, Daimler, VW, Fiat, Peugeot-Citroen, Renault gibt es 44 Vorstände, darunter 4 Frauen. Die Frauenquote bei den europäischen Automobilkonzernen beträgt damit neun Prozent. Dabei sind die Vorstandsressorts, in denen Frauen vertreten sind, eher „angelagerte“ Ressorts wie Personal/Sozialwesen, Integrität und Recht oder das Präsidentenbüro.

Erweitert man die Führungsmannschaft und nimmt die oberste Markenebene bei den Autobauern mit in die Aufzählung, sind –bei den Autobauern 193 Manager in Top-Management Positionen. Nur 12 Frauen sind unter diesen 193 Top-Managern der europäischen Autobauer. Das entspricht sechs Prozent aller Management Positionen. Die Autobauer stehen damit alles andere als in der Mitte der Gesellschaft. Die Frauen sind bei den Autobauern in den wesentlichen Entscheidungsgremium, die über das Produkt, die Kommunikation und das Vertriebssystem entscheiden, nicht präsent. Auch aus diesem Grunde scheint das Management-System wenig Impulse zu liefern, um die systematische Verzerrung in Richtung ältere Männer auszugleichen.

Trendumkehr durch die IAA?


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  • Jürgen Häusler ist Chairman von Interbrand Central and Eastern Europe. Der Markenexperte betreut renommierte Unternehmen in der strategischen Markenführung. Er ist Honorarprofessor für Strategische Unternehmenskommunikation an der Universität Leipzig, publiziert laufend zum Thema Marke und hält Vorträge an Universitäten, auf Kongressen und Tagungen.

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  • Malte W. Wilkes ist Seniorpartner der Management Consultancy Erfolgsketten Management Wilkes Stange GbR, Redner, Moderator, Diskutant, Buchautor, Pionierexperte in Customer Centricity und Ehrenpräsident des BDU Bundesverband Deutscher Unternehmensberater.