Corporate Customer-Kodex – Warum die Marketing-Community mehr verantworten muss

21.06.2013.  Natürlich denken alle, dass Marketing für den Kunden das Beste will, ohne das eigene Geschäft aus den Augen zu verlieren. Doch so gut ist es nicht. Es wird getrickst, geschummelt und ausgesessen. Legales, Illegitimes und Kriminelles wird unter dem Fehlbegriff der "Grauzone" fröhlich panaschiert. Isoliert lösen das Unternehmen durch das Customer Centricity-System als unternehmerisches Leitsystem auf. Doch die Marketing-Community hat insgesamt eine Verantwortung.

Die von der Bundesministerin für Justiz im Jahr 2001 eingesetzte Regierungskommission hat bereits 2002 den Deutschen Corporate Governance-Kodex zu den Themen Aufsichtsrat, Hauptversammlung, Vorstand, Transparenz und so weiter verabschiedet und seitdem permanent weiterentwickelt. Im Moment ist Stillstand, jedoch kann man bezüglich der verabschiedeten Regeln und Empfehlungen kaum noch zurück. Und das ist gut so.

Corporate Customer-Kodex


Marketing hat das gleiche Problem, es fehlen strukturelle und inhaltliche Gesamtregelungen. Man sah die Ansätze zu oft nur im Kommunikativen, wie der Kodex zur Werbe- und Marketingkommunikation der Internationalen Handelskammer (ICC) das adressiert. Die Vereinigung betont die Relevanz der Richtlinien für die Vertrauensbildung gegenüber Verbrauchern. Doch Marketing findet nicht nur im BtoC sondern auch im BtoB, also bei Kunden statt.

Es geht hier unter anderem um mangelhafte Ausrichtung auf Kundeninteressen, die mangelnde Kenntnis von Aussichtsräten und Vorständen in Bezug auf den Kunden, mangelnde Transparenz und mangelndes Auskunftsverhalten gegenüber Kunden.

Es ist höchste Zeit, den Corporate Customer-Kodex in Anlehnung an den Corporate Governance Kodex über alle Unternehmen hinweg zu treiben, aufzustellen und zu etablieren.

Der Initiator muss kraftvoll sein


Der Treiber eines derartigen Kodex braucht keine formale Macht, sondern die Macht der Kommunikation. Allerdings: Mit formaler Autorität geht vieles schneller. Drei Initiatoren sind denkbar:

1. Das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) setzt sich mit Hilfe verschiedener Maßnahmen für die Interessen der Kunden ein. Analog zum Corporate Governance-Kodex kann es den Corporate Customer-Kodex rechtlich, strukturell und finanziell verankern.
2. Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI), in dem Wirtschaftsverbände und Arbeitsgemeinschaften der Industrie und industrienaher Dienstleister versammelt sind. So ist eine breite Kodex-Treue schnell zu erreichen.
3. Der Deutsche Marketing-Verband (DMV) hat sich inhaltlich neu aufgestellt und unter der Leitidee „Mehr Nähe zu den Menschen“ die großen Herausforderungen für das Marketing der Zukunft formuliert. Marketing, so der DMV, werde zur zentralen Schaltstelle zwischen Menschen und Unternehmen.

Mit diesem Anspruch kann man mehr tun als auf internen Veranstaltungen und Themenkongressen nach innen zu debattieren. Wer den Anspruch hat, prägend zu wirken, also auch Vordenker und Vorreiter für die Zukunft zu sein, muss gesellschaftlich darüber hinaus gehen. Die Qualität des Marketing ist von der hohen Qualität der konstruktiven Etablierung des Kunden abhängig. Der Corporate Customer-Kodex braucht Konsistenz, Detaillierung und Konstanz, um glaubwürdig zu sein. Er braucht Führung und keine Meister des inneren Lächelns.

Über den Autoren: Malte W. Wilkes ist Seniorpartner der Management Consultancy Erfolgsketten Management Wilkes Stange GbR in Hamburg, Redner, Moderator, Diskutant, zigfacher Buchautor, Pionierexperte in Customer Centricity sowie Ehrenpräsident des BDU Bundesverband Deutscher Unternehmensberater.


Weitere Kolumnen von Malte W. Wilkes:

"Mit Streik Kunden gewinnen" vom 17.05.2013
"Wenn der Kunde um Gnade bettelt" vom 22.03.2013
"Bewerben ist wie Werben - Wie Customer Centricity im Personalmarkt funktioniert" vom 08.02.2013
"Veranstaltungen zum Change-Management enden oft in Outdoor-„Sackhüpfen" vom 11.01.2013
"Over Engineering im Marketing" vom 07.12.2012
"Chief Customer Officer - der Treffpunkt der Bosse" vom 02.11.2012
"Das Marketing führt ins Paradies – die Rechtsabteilung in die Hölle" vom 21.09.2012
"Was nicht nur Facebook nicht versteht" vom 17.08.2012
"Kunden sind wichtiger als Frauen" vom 06.07.2012
"Diplom-Kunde als Marketing-Ohrfeige" vom 01.06.2012
"Kundentäuschung auf legalem Weg" vom 27.04.2012
"Erotisches Verhältnis zum Marktanteil" vom 16.03.2012
"Marketing ist mausetot" vom 10.02.2012
"Kunden können gar nicht gut bedient werden" vom 25.05.2009
"Klassische Pitches sind closed shop" vom 21.05.2008
"Non-scripted ist die neue Anmache" vom 16.04.2008
"Werbung kann sofort Geld schöpfen" vom 20.02.2008
21. Juni 2013

jetzt twittern auf Facebook teilen

Es liegen noch keine Lesermeinungen vor

Kommentar abgeben


 

Bitte geben Sie den Code aus dem Bild in das nebenstehende Feld ein:


*  diese Felder müssen ausgefüllt werden.

Kommentare werden erst veröffentlicht, wenn Sie Ihre E-Mail-Adresse erfolgreich bestätigt haben. Bitte melden Sie sich daher an, oder klicken Sie auf den an Ihre Mail-Adresse gesendeten Bestätigungs-Link, wenn Sie als nicht angemeldeter Nutzer einen Kommentar schreiben.


SERVICES & SHOP

Kolumnen-Autoren

David Aaker - Der Markenguru

  • Er hat das Markenwertmodell "Aaker Model" erfunden und über 100 Artikel und 15 Bücher veröffentlicht. Als Vice Chairman berät David Aaker zudem exklusiv die Kunden der Agentur Prophet.

Michael Brandtner

  • Brandtner ist Spezialist für strategische Marken- und Unternehmenspositionierung, außerdem Associate bei Ries & Ries sowie Autor des Buches "Brandtner on Branding". Sein Blog: www.brandtneronbranding.com

Vince Ebert - Der Physiker und Kabarettist

  • Vince Ebert ist Physiker und Kabarettist und mit seinem Bühnenprogramm "Freiheit ist alles" deutschlandweit auf Tournee. Er ist zudem Kolumnist der absatzwirtschaft. Tourdaten unter www.vince-ebert.de.

Jürgen Gietl

  • Jürgen Gietl, Managing Partner bei Brand Trust, ist Spezialist für Technologiemarken, B2B-Markenführung und Markenarchitektur. Er begleitet Konzerne und mittelständische Unternehmen bei Entwicklung und Umsetzung von Markenstrategien. Er ist Autor des Buches VALUE BRANDING. Brand Trust

Jürgen Häusler

  • Jürgen Häusler ist Chairman von Interbrand Central and Eastern Europe. Der Markenexperte betreut renommierte Unternehmen in der strategischen Markenführung. Er ist Honorarprofessor für Strategische Unternehmenskommunikation an der Universität Leipzig, publiziert laufend zum Thema Marke und hält Vorträge an Universitäten, auf Kongressen und Tagungen.

Malte W. Wilkes

  • Malte W. Wilkes ist Seniorpartner der Management Consultancy Erfolgsketten Management Wilkes Stange GbR, Redner, Moderator, Diskutant, Buchautor, Pionierexperte in Customer Centricity und Ehrenpräsident des BDU Bundesverband Deutscher Unternehmensberater.