Halbjahresbilanz 2014

Werberat modernisiert Diskriminierungs-Regeln

Julia Busse
Julia Busse
13.08.2014.  Der Deutsche Werberat zieht eine Halbjahresbilanz: Die Kritik der Verbraucher an Fahrzeugwerbung ist gestiegen, die Anzahl der Beschwerden zu Werbung in TV, Print oder Online ist gleich geblieben. Zwar habe es einen Zuwachs bei den kritisierten Werbesujets von elf Prozent gegeben, die Gesamtbeschwerdezahl nahm jedoch nur um 0,6 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum zu. Neu beim Werberat ist die Rubrik der geschlechterdiskriminierenden Werbung.

In den ersten sechs Monaten des Jahres war Fahrzeugwerbung auffällig oft in der Verbraucherkritik. Auf den Rängen eins bis vier liegen jedoch wie bisher Plakat-, TV-, Anzeigen- und Onlinewerbung. Allein zwölf Fälle von Transportmedien waren in den ersten sechs Monaten Gegenstand eines Beschwerdeverfahrens vor dem Werberat, im gesamten Vorjahr waren es 13.

Die positive Bilanz des Werberats zu den zwölf kritisierten Werbeaktivitäten: Von den beanstandeten Werbesujets zogen fünf Unternehmen ihre Werbung zurück oder änderten sie, in sechs Fällen wies der Werberat die Beschwerden als unbegründet zurück und in nur einem Fall musste der Werberat wegen Uneinsichtigkeit öffentlich rügen.

Kampagnenorganisationen halten sich zurück


Ebenfalls auffällig ist aus Sicht des Gremiums, dass die Beschwerdenzahl mit 535 Beschwerden nahezu stagniert, wohingegen die kritisierten Werbesujets deutlich um elf Prozent (286 Fälle geprüfter Werbung) wuchsen. Der Trend mancher Kampagnenorganisationen, die in der Vergangenheit ihre Mitglieder und Anhänger organisiert zu Beschwerden beim Werberat aufriefen, scheint gestoppt und die Aufklärungsaktionen des Werberats Früchte zu tragen. Denn eine einzelne Beschwerde reicht aus, um einen Beschwerdevorgang auszulösen.

Dabei ist der Ausgang des Verfahrens von der Zahl der Kritiker unabhängig, ausschlaggebend ist allein der Inhalt der in Rede stehenden Werbung.

Bereits acht Rügen ausgesprochen


Verdoppelt hat sich die Zahl der Rügen im 1. Halbjahr 2014 auf acht, sie wurden sämtlich im Bereich der geschlechterdiskriminierenden Werbung ausgesprochen. Julia Busse, Geschäftsführerin des Werberats, sieht trotz der höheren Zahl der Rügen keinen Grund zur Besorgnis: „Zum einen erklärt sich die höhere Zahl in den ersten sechs Monaten des Jahres aus der Zunahme von kritisierten Werbesujets, zum anderen zeigt die jahrzehntelange Erfahrung, dass gerügte Unternehmen in der Regel kein weiteres Mal auffällig werden.“



Neue Rubrik: Geschlechterdiskriminierende Werbung


Erstmals hat der Werberat die Rubrik der geschlechterdiskriminierenden Werbung in seine Statistik aufgenommen und fasst darunter die bisherigen Punkte Frauendiskriminierung, Männerdiskriminierung sowie Herabwürdigung von Personen zusammen. Anlass für den Werberat, die Rubrik der geschlechterdiskriminierenden Werbung einzuführen sind unter anderem Fälle, auf die nach Ansicht von Beschwerdeführern sowohl das Kriterium der Frauen- als auch der Männerdiskriminierung zutrifft.

Ein Beschwerdeführer beispielsweise monierte, dass die Plakat- und Internetwerbung eines Radiosenders aufgrund des Motivs einer auf der Bühne stehenden Frau in High Heels, mit Engelsflügeln, Gitarre und spärlicher Bekleidung, Frauen herabwürdige. Gleichzeitig fühlte er sich in seiner Würde verletzt, da Männern unterstellt würde, derartige Motive gut zu finden. Der Werberat folgte dem Beschwerdeführer in diesem Fall nicht, da Musikerinnen und Musiker oftmals in optisch auffallender Weise Bühnenpräsenz zeigen.

Von Diskriminierung geht der Werberat immer dann aus, wenn eine Frau oder ein Mann aufgrund des Geschlechts als minderwertig dargestellt wird. Eine Herabwürdigung nimmt der Werberat insbesondere dann an, wenn eine Frau oder ein Mann nicht mehr als eigenständige Person, sondern als potenzielles Objekt der sexuellen Bedürfnisse anderer gezeigt oder ihre sexuelle Verfügbarkeit oder Käuflichkeit suggeriert wird.

Männerdiskriminierung noch ein Randphänomen


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