drupa-Report

Druckindustrie zu zögerlich bei IT-Investitionen

Foto: Messe Düsseldorf/ Tillmann
Foto: Messe Düsseldorf/ Tillmann
16.10.2014.  Digitale Medien, das Internet und veränderte Kundenerwartungen stellen die Druckindustrie vor große Herausforderungen. Der „drupa Global Insights“-Report der Messe Düsseldorf zeigt Veränderungen und stellt fest, dass sich die meisten Druckdienstleister nicht adäquat an den rasant wandelnden globalen Markt anpassen. Die entsprechenden Technologien stünden zur Verfügung, jetzt gelte es, die erforderlichen Investitionen zu tätigen und vorhandene Wachstumspotenziale auszuschöpfen.

Fast jeder Zweite im internationalen Expertenpanel der Messe Druck und Papier (drupa), die jährlich in Düsseldorf stattfindet, hat für den Zeitraum der letzten fünf Jahre einen Rückgang der Nachfrage nach konventionellen, nicht-digital gedruckten Produkten festgestellt, nur 21 Prozent berichten von einem Nachfrageanstieg.

Massiver Einbruch bei gedruckten Werbemitteln


Den größten Teil der Ausgaben für Druckerzeugnisse generiert die Werbung, daher hat die stetige Verlagerung von Print zu digitalen Kommunikationsformen besonders drastische Folgen. Der relative Rückgang von Print trifft dabei nicht alle Märkte gleichermaßen, einige Bereiche sind besonders stark betroffen. Beispielsweise Zeitungen: Sie mussten in den USA zwischen 1999 und 2012 einen Rückgang von 62 Prozent verbuchen. In derselben Zeit sank der Bedarf nach gedruckter Werbung um 60 Prozent, denn die Werbebranche setzte zunehmend auf digitale Kommunikation. Dagegen wird der Verpackungsbranche bis 2018 ein jährliches Wachstum von vier Prozent vorausgesagt.

Nur eine Minderheit erhöht die IT-Ausgaben


Print ist Teil einer vielschichtigen Kommunikationsindustrie, daher müssen sich laut drupa-Report die Druckdienstleister zunehmend IT-basierten Technologien zuwenden. Doch die Realität sieht – noch – anders aus: Lediglich 23 Prozent des drupa-Expertenpanels verzeichnete in den letzten fünf Jahren einen Anstieg seiner IT-Ausgaben. Und praktisch alle befragten Entscheidungsträger konstatieren einen Mangel an IT-Fachkräften.

Bei Multichannel-Kampagnen kann Print einen immensen Vorteil verbuchen: Die durchschnittliche Responsequote auf postalische Mailings liegt laut Angaben bei 3,4 Prozent, auf E-Mails hingegen nur bei 0,12 Prozent. Eine attraktive, viel versprechende Lösung ist daher die postalische Kommunikation, die den Verbraucher über interaktive Elemente auf digitale Kanäle führt.

Druckereien für Zeitungen, Zeitschriften und Bücher sehen sich einem ähnlich dramatischen Wettbewerb mit dem Internet ausgesetzt. So lag 2012 der Umsatz der Onlinewerbung in den USA höher als der Gesamtumsatz von gedruckter Werbung in Zeitungen und Zeitschriften zusammen. Auch die Vertriebsstruktur für Buchverlage sieht sich drastischen Veränderungen ausgesetzt, ausgelöst von den aktuellen Trends des E-Commerce und dem rasant wachsenden digitalen Print-on-Demand (PoD). Die Verbreitung von E-Books nimmt zwar zu, ist aber eher Ergänzung zu gedruckten Büchern und weniger eine Alternative.

An E-Commerce-Prozessschritte angepasst


Die Mitglieder des drupa-Expertenpanels aus dem Verlagsdruck haben sich diesen Herausforderungen gestellt, indem sie Print on-Demand oder kleinauflagigen Digitaldruck anbieten, sich an E-Commerce-Prozessschritte anpassen und eine Vielzahl neuer Dienstleistungen anbieten, dazu zählen Kundendatenmanagement oder Dateien an alternative Ausgabegeräte anpassen. Und während sinkende oder bestenfalls stagnierende Umsatzzahlen bei der Buchherstellung gemeldet werden, vermeldet der kleinauflagige Digitaldruck ein Wachstum von 59 Prozent und der Bereich der digitalen on-Demand-Produkte einen Anstieg von 51 Prozent.

Die Studie unterstreicht die bereits erkennbaren, weit reichenden Folgen des Onlinehandels für die Musikbranche, Verlage, Großhandel und Banken. Doch die Printbranche hat sich bisher nicht ausreichend bemüht, das große Potenzial dieser Entwicklung für sich zu nutzen. Während 51 Prozent der Panel-Mitglieder über Web-to-Print verfügen, geben nur 14 Prozent an, diesen Dienst für mehr als 25 Prozent ihrer Aufträge zu nutzen.

Im Bereich des Katalogdrucks berichten 47 Prozent des Panels von sinkenden Absätzen für konventionelle Printprodukte, 15 Prozent verzeichneten einen Anstieg – damit bleibt als Gesamtergebnis ein Rückgang von 31 Prozent. Gute Nachrichten gibt es bei versionierten Katalogen: Hier meldeten 47 Prozent einen Anstieg, 60 Prozent verzeichneten einen Anstieg bei Kleinstauflagen. Der Grund: Die Werbung hat erkannt, dass gedruckte Kataloge den Onlinehandel ankurbeln, also ist Print ein wertvoller Verbündeter im E-Commerce-Geschäft, wenn es Teil einer integrierten Multichannel-Kampagne ist.

Rasant wachsender Markt für interaktiven Druck


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