ADAC Postbus: Gelbe Marken-Hochzeit auf der Autobahn

15.11.2013.  Seit der innerdeutsche Fernverkehr mit dem Linienbus erlaubt ist, herrscht Gedränge an den Zentralen Omnibus Bahnhöfen (ZOB). Rund hundert Busfirmen wollen sich ein Stück vom Kuchen abschneiden: DeinBus, MeinFernbus, City2city, FlixBus, Deutsche Touring und wie sie alle heißen. Neben den vielen Neugründungen kommt jetzt eine Kooperation auf die Straße, die zwei der stärksten deutschen Marken zu einem Angebot bündelt: der ADAC Postbus.

Aus Markensicht ist die gelbe Hochzeit unwiderstehlich. ADAC Postbus differenziert ein an sich generisches Mobilitätsangebot durch einen selbstbewusst gestalteten, klar positionierten Auftritt. Es geht nicht nur um den preisgünstigen Personenfernverkehr von A nach B, sondern um „Sicherheit“. Wer wäre da besser geeignet als ADAC und Post? Das lässt fast vergessen machen, dass auch der ADAC Postbus auf vielen Strecken nur eine lahme Ente ist im Vergleich zur Bahn. 40 Minuten länger sitzt man auf der Strecke Hamburg - Bremen im allerdings hochwertig gestalteten und ausgestatteten Bus. Somit kann ADAC Postbus unter den Lahmen die Rolle des Qualitätsanbieters einnehmen. Es ist ja auch so viel Markenkapital da bei beiden Marken, das jetzt genutzt werden kann: das Bild vom Gelben Engel beim ADAC, die institutionelle Sicherheit bei der Post, die Zuverlässigkeit.

Wie immer es auch weitergeht im liberalisierten Markt der Fernbusreisen, eins ist jetzt schon klar: Nach der Aufbruchstimmung kommt die Zeit der Konsolidierung. Von den rund hundert Anbietern in diesem jungen Markt werden viele auch wieder verschwinden. Denn allein sechs Anbieter auf der Strecke Berlin - Hamburg zusätzlich zu den Angeboten der Bahn werden auf Dauer nicht wirtschaftlich arbeiten können. Kalkulatorisch sind bei One-Way-Preisen von wenigen Euro schon jetzt enge Grenzen gezogen. ADAC Postbus wird ziemlich sicher auf der Gewinnerseite fahren.

Was können Flixbus und Co. aus Markensicht tun?


Neben dem Angebot an richtigen Strecken zu den richtigen Zeiten sollten sie sich über ihr Profil Gedanken machen und darüber, wie man es kommunikativ in den Markt trägt. Es reicht nicht aus, einen bunten Bus an den ZOB zu stellen. Möglichkeiten für attraktive Differenzierung sind genug da, zum Beispiel beim einfachen Ticketing, dem großzügigen Umgang beim Gepäck oder auch schon bei der Frage, wie es dort aussieht, wo der Bus hält. Schließlich ist Sicherheit nicht nur eine Frage der Bremsen.

Über den Autor: Christian Prill ist Partner für Markenstrategie bei Factor Design in Hamburg. Factor Design gibt Marken ein Gesicht. Gerade hat die Agentur den Designforschungstag ins Leben gerufen. Mehr unter: www.designforschungstag.de.

15. November 2013

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