Absatzwirtschaft Nr. 05 vom 27.04.2018 Seite 004

Gast-Editorial

Bin ich viele?


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Nicht, dass man es nicht vorher wusste: Daten sind der kostbare Rohstoff des 21.Jahrhunderts.Dass manches Unternehmen sie auf radikale Art und Weise zu gewinnen versucht und Data Mining gleichsam wie Fracking in die empfindlichen Tiefen unserer Privatsphäre dringt, erschüttert gerade die Öffentlichkeit.Selbstbestimmtheit ist ein kulturelles Selbstverständnis!Auch deshalb ist die persönliche Betroffenheit groß, wenn man feststellen muss, dass die Spuren, die man täglich im Netz hinterlässt, ein digitales Ich erschaffen - unkontrollierbar, multiplizierbar, käuflich und womöglich längst "gescraped".
Was sehe ich und was nicht?
Der Technologiekonzern Facebook möchte lediglich als Plattform verstanden werden, weil er selbst keine Inhalte generiert.Doch wenn die eigenen Algorithmen als Kuratoren agieren, entstehen im Zusammenspiel der Informationen ständig neue Botschaften.Für jeden Nutzer die seinen - dank der Kombination aus Big Data, psychologischen Verfahren und Microtargeting.Super für Unterhaltung, Werbung und Dienstleistung - leider zu gefährlich für die demokratische Meinungsbildung?
Bin ich Open Source?
Daten sammeln und sortieren.Analysieren, wie Menschen ticken.Viel Geld damit verdienen.Auch wenn Facebook in den vergangenen Wochen Milliarden an Börsenwert verloren hat - erst die breite Begeisterung für sein Geschäftsmodell erlaubte den sagenhaften Aufstieg.Erfolg beschützt.Nun hat Facebook gesehen, dass die Möglichkeit des Scheiterns real ist.Darf man deshalb erwarten, dass das Unternehmen verantwortungsvoller handeln wird?
Wer bin ich?
Datenschutzgesetze, Zulassungsverfahren, die Zerschlagung monopolistischer Strukturen - die aktuelle Debatte kennt viele Vorschläge.Wie findet eine offene Gesellschaft den richtigen Umgang mit ihren Informationen - von der Sorge um gläserne Patienten bis zu allem, was mein autonomes Auto einmal von mir erfahren wird?Was abstrakt erscheint, greift in unser Leben ein.An der Schnittstelle eines Displays beginnt kein Second Life, digitale und reale Welt haben sich längst zu unserem Alltag vernetzt.Wer formuliert die Regeln für die Zukunft?Ob wir diesen Diskurs Facebook und seinen Freunden überlassen, ist auch eine Frage der persönlichen Würde.
Ivonne Fehn, Anzinger und Rasp


Descriptoren:Community
Datenschutz
Informationstechnik
Internet
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Kriminalität und Recht

Land:Bundesrepublik Deutschland C4EUGE
Welt (Internationales) C00WOR

Länderfacette:Informationstechnik
Kriminalität und Recht

Datum:27.04.2018 00:00:00


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